Anzac Day ist Totensonntag

Heute gedenken die Australier ihren Kriegsopfern aus den beiden Weltkriegen. Das gleicht einer gigantischen Soldaten-Verherrlichung, so wie ich es in Deutschland nie erlebt habe. Na ja, Deutschland hat die Kriege ja auch verloren. Zeitungen, Fernsehen, die Straßen sind voll von Berichten über die Heldentaten der Heroen, wobei letztere inzwischen als gar gebrechliche und mit vielen Orden am Revers verzierte Veteranen die vielen Paraden anführen. Letztes Jahr kriegten die Fernsehkameras noch einen oder zwei Ex-Soldiers aus WWI vor die Kamera, aber so weit ich das Spektaktel heute verfolgt habe, waren diesmal nur welche aus WWII dabei. Es passte zum Anlass, dass das Wetter heute durchweg wolkenverhangen und sehr regnerisch war, ein Gefühl wie Totensonntag damals in Hamburg.

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Und so hatten wir heute statt Panoramablick eine verkürzte Sicht ohne Berge

Mittags war ich mit Wendy verabredet. Sie und ihr Mann Colin haben vor über zwanzig Jahren ihr Haus selber gebaut und über die Zeit verändert und vergrössert. Aber am Bewunderswertesten ist, dass sie erst mal einen 1,5 km langen Fahrweg von der Strasse durch den Wald schlagen mussten

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… den ich hier aus dem Auto heraus fotografiert habe.

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Ein phantastisches Blättergewirr mit Regenwaldbäumen, Farnen, Palmen und Casuarinas (She-Oaks). Trotzdem wäre es mir zum Leben hier draussen zu einsam, auch wenn verstreut Nachbarn anzutreffen sind, wie diese Briefkästen am Weg verraten.

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Wendy habe ich im ersten Jahr hier kennengelernt, als ich noch regelmässig ihre Englisch-Klasse besuchte. Damals hatte ich noch kein eigenes Haus und Grundstück, also mehr Zeit. Geblieben ist aber eine gute Freundschaft. Wendys Hobby ist das Mosaik, sie schafft die herrlichsten Kunstwerke aus Glas und Scherben. Gerade hat sie in Cooperation mit ihrem Mann Colin, dem Hobby-Schweisser, ein schönes Werk geschaffen: Sie eine Mosaik-Weltkugel und er zwei eiserne Hände zum Tragen derselben. Sonntag beginnt eine Mosaik-Ausstellung in unserer Gallerie und bis dahin müssen die Teile noch zusammen montiert werden.

mosaik

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Falls sich jemand für Mosaik interessiert: ich habe Wendys Photopräsentation bei Flickr unter Links (rechte Spalte) eingefügt.

Auf dem Rückweg fand ich einen Guavenbusch am Weg, von dem ich ein paar Früchte stibitzte, für einen exotischen Fruchtsalat heute abend. Im Moment sind nämlich auch die verrückten Früchte der Monstera Deliciosa (Fensterblatt, habe in der Montage den Namen falsch geschrieben!) überall im Park oder in Gärten reif. (Meine Pflanze hier ist noch zu klein für Früchte, leider). Aber ich weiss, wo sie in Bellingen gedeihen. Sie sehen so aus

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Man isst das weiche, weisse Fruchtfleisch, das unter den sich mit zunehmender Reife leicht zu pellenden fünfeckigen Plättchen befindet. Schmeckt wunderbar süß und nach Vanille. Die Äpfel und blauen Pflaumen als weitere Zutaten für den Obstsalat werden aus dem kühlen Süden importiert, denn Steinobst gedeiht hier nicht.

Und noch was fiel mir auf dem Rückweg vor die Linse, nämlich ein schon herbstlich gefärbter Ahornbaum. Er mutet als (eingeführte und daher laubabwerfende Spezies) etwas exotisch an zwischen den immergrünen australischen Pflanzen. Mich erinnern sie im Moment tatsächlich an Totensonntag!

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So, mit diesem kleinen Tagesbericht nebst Bildern verabschiede ich mich für heute. Ich würde mich freuen, wenn ihr mal wieder auf meine Seite schaut und auch ein feedback schreibt. Dazu klickt ganz einfach auf das Wort Kommentar ganz am Textende. Danke fürs Ansehen, cheers Ute.

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