Von wegen langweiliges Landleben!

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Letzte Woche – die Sonne schien, es war mittags schön warm – wollte ich es mir auf dem Deck (erhöhte Terrasse/Haus steht auf Stelzen) mit meinem Salat-Lunch bequem machen, als ich von der Ecke her ein merkwürdiges Zischen hörte. Gleichzeitig sass ein Butcher Bird auf der Reling und starrte in die selbe Richtung. Da muss irgendwas sein, dachte ich mir. Ging hin und mein Herz machte einen Satz!

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Eine Red-bellied Black Snake hatte sich halb eingerollt unter dem kleinen hölzernen Schuhregal verborgen und harrte der Dinge – mit einem ziemlich grossen grünen Frosch im Maul, das heisst, sie hatte nur eins der Hinterbeine zufassen gekriegt. Ich schätzte die Schlange auf 1,5 Meter, also recht klein, denn sie ist eine der längsten Schlangen bis 2,50 Meter.
Mein erster Gedanke: Türen schliessen, denn wegen der Wärme hatte ich alle Türen weit geöffnet und die Schlange lag nur einen halben Meter entfernt. Dann beruhigte ich mich, denn wenn die Schlange den Frosch im Maul hat, kann sie mich eigentlich nicht beissen. Ein Biss von dieser Schlange ist ziemlich gefährlich und auf jeden Fall zu vermeiden. Aber ich fühlte mich sicher, hob das Regal hoch und fing an, das Duo zu fotografieren. Dabei hörte ich immer wieder dieses Zischeln. Der Frosch hatte die Augen weit aufgerissen, bewegte die übrigen frei hängenden Gliedmassen aber nicht, insofern nahm ich an, dass der Ärmste durch das Gift inzwischen paralisiert worden war oder schon nahe dem Tod. Also waren die Laute wohl eine Warnung der Schlange, ihr doch bloss nicht die Beute abspenstig zu machen. Und genau auf diese hatte nämlich der immer noch das Geschehen fasziniert verfolgende Butcher Bird mmer noch ein Auge geworfen.

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Eine Weile, etwa 20 Minuten, warteten wir alle vier ab. Wenig Bewegung passierte und ich konnte in aller Ruhe Aufnahmen machen. Dann legte die Schlange ihre Beute auf den Boden und veränderte die Biss-Position. Jetzt hatte sie den Hals ihres Opfers fest zwischen ihre weit aufgerissenen Kiefer gezwängt und die Balance war nun vorteilhafter.

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Als ich reinging, um mein Smartphone für Videoaufnahmen zu holen, nutze die Red Bellie diese kurze Pause ohne Beobachtung, um quer übers Deck zum Rand zu gleiten. Sie tat einen kurzen Blick nach unten, hielt inne und stob vorwärts – den Frosch noch immer fest im Maul mit allen Vieren weit gespreizt – einen halben Meter in der Luft, peilte den Landeplatz an und liess sich schliesslich die zwei Meter ins Gras fallen. Und verschwand lautlos im Gebüsch. Wo sie dann sicher Ruhe fand, um unbeobachtet ihre Beute endlich zu verschlingen.
Die Lehre, die ich aus dieser Begegnung ziehe ist, dass ich fortan keine Vasen, Stiefel oder andere offenen Behältnisse rings ums Haus stehen lasse, die sich als Winterquartier für Frösche eignen könnten. Hätte ich eigentlich wissen müssen, denn neulich beim Fegen hatte ich schon einen Frosch gestört und diesen dann sanft ins Gebüsch umquartiert. Aber dass diese hier recht häufig vorkommenden Schlangenart auf der Suche nach Nahrung es bis aufs hohe Deck schaffen könnten, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.
Also – wo kein Frosch – keine Schlange.
Im übrigen ist die Red Bellied Black Snake auch nützlich, sie jagt nämlich die viel gefährlichere Brown Snake, die sie mit ihrem Gift sogar töten kann. Und Menschen sind bisher durch ihren Biss nicht zu Tode gekommen, da das Gift nicht auf das Nervensystem wirkt. Mit einer Ausnahme: das einzig dokumentierte Opfer ist von 1800 und war ein Kleinkind. Das habe ich eben alles nachgelesen und es mag euch Leser vielleicht beruhigen.
Als ich ein par Freunden hier von meinem „Abenteur“ berichtete, war die Reaktion sehr gelassen und absolut unaufgeregt. Dagegen waren die Antwort-emails von meinen Übersee-Freunden, denen ich ein paar Bilder geschickt hatte, alle im selben Tenor: Nix für mich und Gut, dass ich nicht dabei war!
So ist das Leben am Rand von Bellingen NSW doch etwas anderes als im Vorort von Hamburg. Wir leben hier jwd, „janz weit draussen“, wie man in Norddeutschland sagt, viel näher zur Natur und das ist auch total gut so.
Ich selber freue mich über solche Begegnungen, denn sie zeigen an, dass die Natur noch nicht ganz vom Menschen zerstört wurde.

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